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*'*FOOD JUNKIE*'*

 

Innerlich zerrissen

Eine Ein-zu-Eins Übertragung meiner Gedanken, während ich gegen eine Essanfall ankämpfe. Es ist ein Tennismatch der Gefühle.

Ich fühle mich innerlich total zerrissen. Mir ist heiß, es ist Sommer, der 20. Juli 2009. Ich sehe gerade Grace Anatomie und innerlich ist wieder die Hölle los. Ich hatte vor ca. eineinhalb Stunden meine letzte (Fr)Essattacke – wie ich sie gerne nenne, da es nichts mehr mit Essen zu tun hat – und schon wieder stehe ich kurz davor. Ich habe schon bei der ersten Fressattacke die halbe Torte gegessen und damit ich nicht in Versuchung komme, habe ich die andere Hälfte weggeworfen. Da ich aber auch hier noch Gefahr laufe, diese wieder aus dem Sack zu nehmen habe ich sicherheitshalber die Asche meiner Zigaretten darüber geleert. Nun ist die Torte zum Essen zunichte gemacht. Jetzt kann mir diesbezüglich nichts mehr passieren. Aber von dem vorherigen Fressanfall sind immer noch genug Schokolade, Kekse, Weckerl und so weiter vorhanden. Sie liegen in meiner Küchenschublade. „Gaaanz gefährlich, Hanna! Sehr gefährlich!“ denke ich mir. Aber ich will es nicht wegschmeißen. Das kostet wieder Geld, wenn ich morgen oder jetzt nicht mehr widerstehen kann und ich noch mal einkaufen gehen muss. Nein. So viel Geld, kann ich nicht einfach wegwerfen. Früher konnte ich es. Aber heute geht das nicht mehr, weil ich früher es auch nicht mehr nachgekauft hätte. Heute schon. Ich sehe gerade zum Fernseher, wo eine junge Assistenzärztin zum diensthabenden Arzt sagt: „Man muss sich der Krankheit stellen. Man muss dagegen ankämpfen!“ Wie wahr, wie wahr! Aber ich kämpfe doch schon seit den Morgenstunden. Ich bin müde. Egal was ich mache. Ständig ist das Essen der Mittelpunkt in meinem Leben. Ich will … ich weiß nicht was ich will. Einerseits will ich jetzt der Gewinner sein, deshalb schreibe ich mir hier und jetzt alles von der Seele, als ginge es ums nackte Überleben. Ich will nicht schon wieder schwächeln. Ich will stark sein. Ich werde solange schreiben, bis ich einfach keine Lust mehr zum Essen habe. Bis dieses verdammte Craving vorbei ist. Falls es heute jemals ein Ende nehmen sollte.

Ich habe heute schon versagt. Einmal täglich ist mein maximales Limit, daß ich mir gerade gesetzt habe. Und das Limit ist heute schon ausgeschöpft. Nein, ich werde jetzt nicht in die Küche gehen und ich werde versuchen, mich auf den Film zu konzentrieren. Aber vielleicht sollte ich meine Fitnessecke endlich einrichten. Hab heute extra dafür den Esstisch abgebaut und die Esszimmersesseln weggeräumt. Weil ich genau dort mir einen Fitnessecke einrichten will. Ich sehe jetzt innerlich wie ich die Ecke gestalte. Heute habe ich schon Orchideen gekauft und in diese Ecke gestellt. Sie sind wunderschön. Weiße Blütenblätter und am inneren Rad pink. Ich sehe, wie ich die Matte auflege. Alles für eine Sportstunde herrichte und dennoch sehe ich, dass ich danach trotzdem in die Küche wandere. Ich greife in die Schublade und nehme alles, was für die erste Session übrig geblieben ist und setze mich wieder auf die Couch. Genau dort hin, wo ich jetzt sitze. Ich werde die Schokolade Stück für Stück essen, eventuell sogar genießen und in meinem Mund schmelzen lassen. Danach öffne ich die Schokobananen. Schon wieder etwas mit Schokolade. Schoki macht angeblich süchtig. Stimmt’s? Also ich kann es nur bestätigen. Aber da mir so viel auf einmal einfach zu viel ist, nehme ich die Keksschachtel in die Hand und öffne sie. Nehme ein Stück heraus, rieche daran und tunke sie in den bereits kalt gewordenen Kaffee, der neben meinem Laptop steht. Aber es stört mich nicht, dass der Kaffee bereits kalt ist. Es ist ja Sommer. Trink ich eben einen Eiskaffee. Schnell stecke ich das getunkte Keks in den Mund bevor es mir abbricht. Immerhin will ich ja, dass es in meinem Mund und nicht auf den Tisch landet. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich, während ich das hier jetzt schreibe, immer weniger das Craving spüre. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich über den Berg bin. Nein, leider. Ich bin erst über dem Berg, wenn ich mich niedergelegt habe und schlafe. Nur dann bin ich sicher. Denn wenn ich im Schlaf vom Essen  träume, wache ich zwar meistens mit einem Schrecken auf, weil ich momentan glaube, wirklich gegessen zu haben, aber dieses Essen ist Gott sei Dank kalorienfrei. Jetzt wird sich der eine oder andere denken, dass es besser ist, wenn ich jetzt schlafen gehe. Aber es ist erst knapp vor 22 Uhr. Noch zu früh für mich. Außerdem will ich mir noch die Serie „Las Vegas“ anschauen und „Rescue me“ um 00.28 Uhr. Und schon wieder kommt eine Welle der Versuchung auf mich zu. Aber ich bleibe standhaft. Ich bin müde. Aber noch nicht müde genug um schlafen zu gehen. Ich weiß nicht, ob ich es bis zum Ende schaffe, durchzuhalten. Wenn ich jetzt esse ist es einerseits schon egal. Weil der heutige Tag ist schon gescheitert. Da kommt es jetzt auf ein zweites Mal auch nicht mehr an. Aber andererseits, hab ich mir ja erst vor ein paar Minuten das Maximallimit gesetzt und das will ich nicht überschreiten. Meine Augen sind schon schwer. Ich schreibe jetzt einfach mal blind drauf los. Weg ist die Welle des Rausches nach Lebensmittel. Ich habe keinen Hunger. Aber der Gedanke, dass nur ein paar Meter von mir entfernt Essen liegt, macht mich schön langsam krank. Ich sollte es vielleicht doch wegwerfen. Aber dann kaufe ich mir erst wieder spätestens morgen wieder neue.

Ich bin müde. Ich werde  mich jetzt einfach mal hinlegen und versuchen ohne etwas anderes zu tun, mich auf den Fernseher zu konzentrieren und hoffe, dass ich einschlafe und erst morgen frühestens um 6 Uhr aufwache. Ohne Craving natürlich.

Ich habe tatsächlich geschlafen. Aber es ist gerade mal 23.22 Uhr und der Tag noch immer nicht vorbei. Aber ich habe das Gefühl, dass ich es für heute geschafft habe.

Ich bin noch mal eingeschlafen, aber es ist jetzt erst 23.57. Aber ich habe es geschafft. Da bin ich mir ganz sicher. Ich bin froh, dass ich wenigstens mein Maximallimit nicht überschritten habe. Und laut Waage wiege ich jetzt auch ein Kilo weniger, als in der Früh bei 65,4kg. Das war heute wieder einmal ein stundenlanger harter Kampf.

Es ist jetzt ungefähr 01.20 und ich habe mir "Rescue me" angeschaut. Aber nun ist es so weit. Ich sitze jetzt nach fast 19 Stunden Kampf hier und esse Schokolade. Ich habe wieder versagt. Der Gedanke, dass das Essen da ist und ich ab morgen alles richtig machen will und somit das Essen vernichtet gehört hat mich doch dazu getrieben, dass ich es jetzt esse. Denn danach gehe ich wieder auf die Toilette. Und wenn ich in der Früh dann aufstehe, werde ich alles richtig machen. Denn dann fängt ein neuer Tag an. Dann wird alles perfekt.

My book

Intro

Hungerkünslter Seelenhunger

Was dem Seelenglück an Größe fehlt, wird durch Essensmenge ausgeglichen ***.*** Wer sich selbst überwindet, wird stark (Lao Tse)